Ich gehöre zu der Generation, die mit den so genannten „Gelben Seiten“ aufgewachsen ist. @Jüngere Leser dieses Blogartikels: Bei den „Gelben Seiten“ handelt es sich um ein Buch, welches als Branchenverzeichnis für die eigenen Stadt und Umgebung genutzt wird. Die Druckausgabe ist in der Tat auf gelbem Papier und wird Bürger:innen gratis zur Verfügung gestellt. Ich persönlich verwende die „Gelben Seiten“ in Papierform lange nicht mehr und zwischenzeitig gibt es im Internet-Zeitalter eine kostenlose Onlinevariante. Die Internetpräsenz der Gelben Seiten verfügt über identische Informationen, wie die gedruckte Variante. Die Einträge werden jedoch zu großen Teilen angereichert mit Verlinkungen auf die Webseite der Unternehmen.
Im 21. Jahrhundert spielen die „Gelben Seiten“ eine wesentlich geringere Rolle. Das liegt daran, dass sie heutzutage ein Verzeichnis aus vielen im Internet darstellen. Unabhängig davon haben Suchmaschinen, wie Google, die Gelben Seiten im Grunde obsolet werden lassen. Abgesehen davon existieren Suchdienste, die speziell auf die Gesundheitsversorgung ausgerichtet sind. Online-Arztsuchen einschließlich dazugehöriger Webseiten-Verlinkungen, Kontaktmöglichkeiten, Öffnungszeiten, Schwerpunkt-Behandlungen und so weiter bishin zu einer Bewertung von Patienten sind mittlerweile gängig.

Nachfolgend werde ich ein paar Beispiele für derartige Onlinedienste auflisten, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:
- arzt-auskunft.de (Betreiber ist die Stiftung Gesundheit, eine gemeinnützige rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts)
- arztsuche.116117.de (Angebot der Kassenärztlichen Bundesvereinigung)
- jameda.de (wird aktuell von der polnischen Unternehmensgruppe DocPlanner angeboten)
- sanego.de (Betreiber ist die ärzte.de MediService GmbH & Co. KG)
- doctolib.de (ist ein Angebot des französischen IT-Unternehmens Doctolib SAS)
- tk-aerztefuehrer.de (wird von der Techniker Krankenkasse zur Verfügung gestellt)
Daneben existieren eine Reihe von Arztsuch-Apps, die über die entsprechenden Appstores von Google oder Apple vorab heruntergeladen und installiert werden müssen. Einige Beispiel hierfür sind Folgende:
- 116117.app (die App-Version des Angebots der Kassenärztlichen Bundesvereinigung)
- jameda.de/patienten-app (auch DocPlanner bietet eine App-Version an)
- doctolib.app (Doctolib SAS bietet seinen Dienste auch als App an)
Die Macht der Online-Bewertungen
Im Bereich E-Commerce sind Bewertungen von Kaufprodukten, Reisen, Hotels oder anderen Dienstleistungen seit Jahren gängige Praxis. Die Gesundheitsversorgung konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen. Online-Suchdienste haben das Bedürfnis von Menschen erkannt und neben den üblichen Verzeichniseinträgen Nutzern ermöglicht ihre Erfahrungen mit Behandlern online mitzuteilen und zu bewerten. Ähnlich wie bei Produktbewertungen auf Amazon und Co. spielen Online-Bewertungen eine essenzielle Rolle bei Internetnutzern. Darüber hinaus beurteilen Nutzer:innen häufig auch die Freundlichkeit oder Zufriedenheit mitder Behandlung.
Der Branchenverband Bitkom teilte in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung mit, dass 55 Prozent der Internetnutzer:innen Online-Bewertungen in Bezug auf Ärzte, Praxen, Krankenhäusern, Physiotherapeuten oder Heilpraktiker lesen. Für die Nutzer haben die Beurteilungen auf dem oben genannten Plattformen einen großen Stellenwert und nehmen dabei Einfluss darauf, welche Behandler sie sich genauer anschauen und gegebenenfalls einen Termin vereinbaren. Bemerkenswert ist das 37 Prozent dieser lesenden Gruppe angaben, dass Online-Bewertungen beziehungsweise Online-Kommentierungen zu Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen einen vergleichbar Stellenwert einnehmen, wie die Empfehlung eines Freundes oder eines Familienangehörigen. Zugleich räumten 42 Prozent der Befragten ein, dass sie gegenüber Online-Bewertungen eine grundsätzlich skeptische Haltung einnehmen. An der Befragtung nahmen 1.144 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren teil.
Wie Arztsuche funktioniert
Nehmen wir als Beispiel die App 116117.app sowie die Webseite arztsuche.116117.de. Sie wird kostenlos von der Kassenärztliche Bundesvereinigung zur Verfügung gestellt. Mit dem Tool können niedergelassene Ärzte aus Praxen und Psychologische Psychotherapeuten gesucht werden. Um eine zielführende Suche durchzuführen müssen zumindest der Ort sowie die gesuchte Facharztgruppe oder für psychologische Behandlungen der Therapieschwerpunkt angegeben werden. Noch detailliertere Suchen sind möglich. So kann beispielsweise gefiltert werden, ob nur Behandler:innen angezeigt werden sollen, die eine Fremdsprache sprechen. Ein weiteres Kriterium, kann die Filterung nach dem Praxis-Standort und die Entfernung vom eigenen Wohnsitz sein. Auch Angaben zur Barrierefreiheit oder dem Geschlecht der Behandler:in kann eingegrenzt werden. Eine Eingrenzung durch die Angabe des Nachnamens ist ebenfalls möglich. Manchmal verfügen Behandler:innen darüber hinaus über Zusatzqualifikationen (Zusatzbezeichnungen), die sie im Rahmen von Fortbildungen erworben haben. Diese können als weiteres Suchkriterium ausgewählt werden. Die Ergebnisse dieser Suchen sind regelhaft mit den Kontaktdaten, Öffnungszeiten sowie Informationen über Qualifikationen zur Verfügung gestellt.
Arztsuche und Online-Terminbuchung gehen häufig Hand in Hand
Einige Anwendungen bieten zusätzlich eine Online-Terminbuchung bei der ausgewählten Praxis an. Allerdings ist dies keineswegs flächendeckend für jede Praxis möglich. Voraussetzung ist, dass die Anbieter von Online-Arzt-Terminen mit der Praxis eine entsprechende Vereinbarung getroffen haben und eine technische Verknüpfung mit dem Termin-System der Praxis erfolgt ist. Manchmal sind sogar Videosprechstunden möglich, in denen Patienten zum Beispiel über ihr Smartphone per Videoschaltung mit dem Behandler kommunizieren können.
Behandler können sich durch kostenpflichtige Zusatzoptionen hervorheben
In vielen Arzt-Such-Diensten können die Behandler gegen ein kostenpflichtiges Premium-Funktion als Abo zusätzliche Informationen in dem Arzt-Suchdienst bereitstellen. Dadurch können sie ihre Praxis bei den Suchergebnissen hervorzuheben. Beispielsweise können Fotos des Behandlers oder der Praxis angezeigt werden oder auch direkte Verlinkungen auf die Praxis-Webseite.

Die Kehrseite der Arzt-Such-Anbieter
So hilfreich und nützlich die Online-Arztsuche im Internet oder über eine App ist, so sehr stehen die Anbieter zugleich in regelmäßiger Kritik. Insbesondere für Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten können negative Bewertungen im Netz problematisch werden. Insbesondere, wenn diese ungerechtfertigt oder unzutreffend sind. Betroffenen Ärzte dürfen bei dem jeweiligen Anbieter eine Löschung der negativen Bewertung beantragen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie ausführlich begründen, weshalb die entsprechende Bewertung gelöscht werden sollte. Gründe können nicht der Wahrheit entsprechende oder dass beleidigende Inhalte sein. Sollten Betreiber des Suchdienstes der Beantragung nicht nachkommen, können Ärzte eine offizielle Abmahnung durchsetzen. Sofern den Ärzten bekannt ist, welche Person eine unangemessene Bewertung über den Anbieter veröffentlicht hat, können sie sich direkt an diese wenden und im extremen Fall Schadensersatzansprüche aufgrund von Rufschädigung geltend machen. Hüten sollten sich Ärzte davor, öffentlich auf eine unangemessene Bewertungen und Kommentierungen zu reagieren. Auch wenn das Bedürfnis einer Erwiderung verständlich ist, unterliegen Ärzte der ärztlichen Schweigepflicht. Sie würden sich auf juristischem „Glatteis“ bewegen.
Behandler können sich dem Verzeichnis dieser Arzt-Sucht-Anbieter grundsätzlich nicht entziehen. In der Vergangenheit hatten zwei Zahnärzte einen Arzt-Such-Dienst-Anbieter verklagt mit dem Ziel, die sie betreffenden Daten aus der Datenbank zu löschen und zukünftig nicht wieder aufzunehmen. Die Klage erreichte sogar bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Das BGH urteilte dass sich Arztsuch-Plattformen grundsätzlich sich als neutrale Informatonsvermittler präsentieren müssen. Für nicht zahlende Behandler bestünde kein Rechtsanspruch darauf, dass das Plattformen diese und zahlende Premium Mitglieder gleichbehandele.
Fazit:
Für Nutzer:innen können Bewertungen zu Behandler:innen eine Informationsquelle sein. Allerdings sollte man den dort hinterlegten Bewertungen und Kommentierungen mit einer ausgewogenen Skepsis begegnen. Es bleibt unklar, welche Motivitation hinter einer einzelnen Bewertung – egal ob negativ oder positiv – steckt. Beispielsweise kann eine schwierige Zahnbehandlung beim besten Willen aller Beteiligten für Patienten nicht angenehm durchgeführt werden, unabhängig davon wie sorgfältig Behandler:innen gearbeitet hat. Der Heilungsverlauf einer Operation hängt nicht ausschließlich von der qualitativen Durchführung ab. Auch individuellen genetischen Veranlagungen oder das eigene Verhalten nach der OP kann eine wesentliche Rolle spielen.
Zweifellos gibt es Fälle, wo Behandlungen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden und es gibt unhöfliche Ärzte oder Psychologische Psychotherapeuten. Allerdings ist dies eher selten der Fall und niemand von uns darf vergessen: Es sind auch nur Menschen. Man sollte davon absehen selbst bei einzelnen zutreffenden negativen Bewertungen gleich den gesamten Menschen und seine medizinischen Qualifikationen in Frage zu stellen. Krankheiten verlaufen sehr unterschiedlich und Menschen leiden sehr individuell.
Bei schwierigen Krankheitsbildern, die sogar einen operativen Eingriff nach sich ziehen könnten, ist die Online-Arztsuche ein gutes Werkzeug, um medizinische Zweitmeinungen für sich selbst einzuholen. Arztsuchdienste bieten einen gesellschaftlichen Mehrwert und können für Behandler:innen vorteilhaft und zugleich riskant sein.
Einzelnachweise
- Bitkom – Pressemeldung vom 06.02.2023: Mehr als die Hälfte liest Arzt-Bewertungen im Internet
