Bildquelle: Pixabay / Gestaltung: Ioannis Christopoulos
Was bisher geschah …
In dem vorherigen Blogbeitrag „TI-SERIE – Episode 1: Das Internet des Gesundheitswesens – Die Telematikinfrastruktur (TI)“ hatte ich berichtet, weshalb in Deutschland das Thema der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens hochkam. Zum einen sind Gesundheitsdaten äußerst schützenswerte Daten über einen Menschen. Zwar gibt es viele technische Lösungen, jedoch sind dies lediglich „Insellösungen“, also nur auf bestimmte Institutionen beschränkt. Eine bundeseinheitliche sichere Standard-Lösung liegt nahe. Zudem steht man politisch in der Zwickmühle, entweder selbst zu digitialisieren oder von äusländischen Technologie-Konzernen zu deren Bedingungen digitalisiert zu werden. Die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) soll die Lösung für die deutsche Gesundheitsversorgung darstellen.
Ein sicherer Internet-Tunnel für unsere Gesundheitsdaten
Stell dir vor, dass das freie Internet der öffentliche Straßenverkehr in einer Großstadt wäre. Unzählige Autos, Busse, Straßenbahnen (Daten) fahren durch die zahlreichen Wege in alle Winkel des Straßennetzwerkes.
Das speziell für das Gesundheitswesen bestimmte Internet – die Telematikinfrastruktur (TI) – wäre in einer solchen Großstadt die U-Bahn, die unter der Erde abgeschirmt vom sonstigen Datenverkehr des Internets, über ein Tunnelsystem ihre Passagiere (Daten) an bestimmte U-Bahn-Haltestellen abliefert. Diese einzelnen U-Bahn-Haltestellen symbolisieren Institutionen des Gesundheitswesens.
Im Gegensatz zum üblichen Internet, das aus Informationen aus allen denkbaren Stellen und Quellen stammt, können in der TI nur berechtigte Akteure teilnehmen. Ausschließlich Einrichtungen des Gesundheitswesens ist es gestattet, sich an die TI technisch anzubinden. Zu solchen Institutionen gehören Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Psychotherepeutische Praxen, Apotheken, Hebammen, Krankenhäuser, Krankenkassen, Gesundheitsämter, Pflegeeinrichtungen, Rehakliniken oder Körperschaften des öffentlichen Rechts. Andere Institutionen oder Privatpersonen haben keine Möglichkeit, Zugang zur TI zu erhalten.
Einfacher gesagt, als getan …
Der Datenaustausch in der TI erfolgt auf sicherem Wege verschlüsselt.
Was ich bisher hier beschrieben habe, mag für die meisten Bürger:innen erstmal wie eine gute Idee klingen. Allerdings ist die Realisierung eine der größten IT-technischen Herausforderungen in Deutschland – bis heute. Von allen Daten und Informationen, die man auf elektronischem Wege in einem Netzwerk austauschen kann, handelt es sich bei Gesundheitsdaten um die sensibelsten Informationen, die man über einen Menschen haben kann. Die TI soll die Lösung für diesen hohen Grad der Vertraulichkeit gewährleisten. Doch die Geburtsstunde der TI ist eine sehr schwierige und zähe Geschichte. Die Einführung des sicheren Netzes im Gesundheitswesen konnte erst 2019 mittels Androhung von finanziellen Sanktionsmaßnahmen in Arztpraxen erfolgen. Wer sich weigerte seine Praxis technisch an die TI anzuschließen, musste mit 1 bzw. 2,5 Prozent Kürzung seines Honorars rechnen.
Anstelle einen klaren Vorzug für die Gesundheitsfachberufler bei der Nutzung der TI zu schaffen, versuchte man sie zu zwingen beziehungsweise drohte finanzielle Konsequenzen an. Stell Dir vor, der Staat hätte seine Bürger:innen dazu gezwungen seine Steuererklärung über Elster abzwickeln. Damit hätte die Politik seinen Bürger:innen einen Bärendienst erwiesen. Leider geht die Gesundheitspolitik bis heute genau in dieser Art und Weise mit Krankenhäusern und Praxen um. Und so ist es unvermeidbar, dass die TI für eine breite Menge der Ärzte, Zahnärzte etc. direkt in eine so negative gedankliche Schublade gepackt wurde, dass das Misstrauen darüber inzwischen so hoch geworden ist, wie das Abfangen von Daten durch diverse Geheimdienste in der Welt. Körperschaften des öffentlichen Rechtes (also, Landesärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhausgesellschaften usw.) haben ebenfalls eine ambivalente Einstellung gegenüber der TI, was dazu beiträgt, dass die Gesundheitsfachberufler sehr gespalten in dieser Sache sind.
